Teil 1: „Mach mal langsam!“ im Arbeitsalltag

Vor ein paar Wochen, besuchte ich meine Oma in der Eifel. Um etwas frische Luft und Bewegung in der Natur zu genießen, fuhren wir an einen See in der Nähe. Also, mit meiner Oma, ihrem Rollator und einer Kamera gingen wir los. Meine Oma ging langsam und beständig immer weiter. Während wir immer wieder anhielten um Bilder zu machen, ging Oma weiter und weiter. Jedes Mal als wir anhielten, überholte uns Oma und ging ein ganzes Stück weiter. Jedes Mal wunderten wir uns, wieso Oma schon so weit voraus ist. Zügig holten wir wieder auf. Und so ging es immer weiter fort, bis wir den See umrundet hatten. Meine Oma genoss in ihrer beständigen Langsamkeit den Spaziergang ausgiebig. Die letzte Strecke genossen wir dann in der genüsslichen Geschwindigkeit von Oma und wir kamen gemeinsam viel entspannter an.

Und genau dieses Phänomen lässt sich auf viele Situationen in unserem Alltag übertragen. Wir sind häufig gestresst, weil wir viele Dinge im Kopf haben. Wenn wir Kochen, sind wir schon in Gedanken bei Morgen oder noch in der Arbeit von vorhin. Es sind nicht die Aufgaben an sich, die uns stressen, sondern unser Umgang damit. Vielleicht wird durch diese Geschichte deutlicher:

Ein Schreinermeister fiel seinen Schülern, durch sein hohes Arbeitspensum auf. Trotzdem war er immer entspannt. Die Schüler fragten den Meister, wie er das mache. Da antwortete der Meister: „Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich laufe dann laufe ich“. Die Schüler verstanden nicht richtig und sagten, dass sie das doch auch machen. Da antwortete der Meister: „Wenn ihr sitzt, dann geht ihr schon, wenn ihr geht dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr bereits am Ziel“.

Wenn wir während einer Tätigkeit, mit dem Kopf schon bei der nächsten sind oder bei der Situation von vor drei Stunden, dann entsteht Stress. Die springenden Gedanken lassen unseren Geist schneller ermüden, als die Tätigkeit selbst und wir sind langsamer, als wenn wir einen klaren Fokus auf diese Tätigkeit haben. Und wenn heute besonders viel zu tun haben, neigen wir dazu wenig Pause zu machen. Doch die Pausen schenken uns Erholung und neuen Fokus auf die Tätigkeit.

Kleine Checkliste für einen achtsamen Arbeitsalltag:

  • Ordne deinen Alltag, schreibe Erledigungslisten
  • Entschleunige, nimm das Arbeitspensum herunter.
  • Räume deinen Arbeitsplatz auf, lasse nur das liegen, was du für deine jetzige Tätigkeit benötigst.
  • Stelle dir einen Wecker nach 25 Minuten und konzentriere dich für 2 Minuten alleine auf deinen Atem (Audio: Erholung)
  • Mache spätestens nach 90 Minuten eine etwas längere Pause
  • Wenn Gedanken durch deinen Kopf spuken, dann schreibe sie auf.

Damit ich mich im Alltag nur auf eine Sache konzentrieren kann, hilft mir das Schreiben. Ich schreibe Erledigungs-Listen, die ich nach Priorität abhake. Dadurch weiß ich genau was jetzt wichtig ist und alles andere habe ich ja auf der Lise und es wird nicht vergessen! Das ist wirklich eine Erleichterung im Alltag.

Wenn mir etwas im Kopf herumspukt, nehme ich mir mein Notizbuch und schreibe. Dabei reichen bereits 60 Sekunden. Mehr braucht es meisten nicht um seine Gedanken zu ordnen. Das Gefühl nach dem Schreiben, das gedachte manifestiert zu haben, lässt die Gedanken los. Dadurch kann ich mich wieder voll auf die anstehende Arbeit konzentrieren. Ich fühle mich weniger zerrissen und auch endlose Grübeleien lassen sich damit beenden.

Außerdem hat mir meine tägliche Meditationspraxis dabei geholfen, meinen Geist zu steuern. Ich kann steuern wohin meine Aufmerksamkeit gehen soll. Ja, natürlich klappt das nicht immer so. Aber zu wissen, dass ich mich jederzeit in meinen Inneren geschützten Raum zurückziehen kann lässt mich entspannter durch den Alltag gehen.

Bewusst langsam zu machen, hilft mir mich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren. Ich nehme bewusste wahr, was ist. Ich kann besser auf meinen Körper und Bedürfnisse achten. Mein Fokus bleibt bei einer Tätigkeit, da ich den Druck rausgenommen habe. Durch diesen Fokus bin ich gleichzeitig schneller, ohne es aktiv zu wollen.

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